VW schnappt sich Autohandel der Porsche-Familie in dieser Woche
Geplant war das Geschäft schon länger, nun wird es vollzogen. Vermutlich noch während der Automesse in Genf wird VW die Übernahme von Europas größtem Autohändler bekannt geben, der Salzburger Porsche-Holding. Für VW ist es ein Schritt auf dem Weg zur Verschmelzung mit dem gleichnamigen Sportwagenbauer.Die österreichische Porsche-Holding verliert ihre Eigenständigkeit. Europas größter Autohändler, der bisher den VW-Eigentümerfamilien Piëch und Porsche gehörte, werde schon am Dienstag von VW übernommen, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Montag unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Volkswagen wollte den Bericht nicht kommentieren. Die Porsche-Holding verkauft verschiedene Marken des VW-Konzerns.
Mit der Transaktion kommt VW trotz der jüngsten juristischen Probleme bei der Integration des Sportwagenherstellers einen Schritt voran. Wegen der anhaltenden und weit verzweigten staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und seinen früheren Finanzchef Holger Härter ist der Zeitplan für das Zusammengehen noch in diesem Jahr in Gefahr. Den Managern wird im Zuge des gescheiterten VW-Übernahmeversuchs durch Porsche unter anderem Untreue vorgeworfen.
Die Übername der Salzburger Vertriebsgesellschaft war schon 2009 bei den Grundsatzbeschlüssen zur Eingliederung von Porsche durch VW vereinbart worden. Porsche soll unter dem Wolfsburger Dach zehnte Marke im Konzern werden.

Der Kaufpreis für die Porsche-Holding liegt bei 3,3 Mrd. Euro. VW-Chef Martin Winterkorn will die Gesellschaft als unternehmerische Einheit mit ihrem Geschäftsmodell und sämtlichen Unternehmensteilen und Marken erhalten. Er wird damit gerechnet, dass der Kauf der Österreicher offiziell auf dem Autosalon in Genf bekanntgegeben wird, der mit den ersten Presseveranstaltungen am Dienstag beginnt und bis zum 13. März dauert.
Die Porsche-Holding Salzburg ist eine hoch profitable und effiziente Vertriebsgesellschaft. Mit ihr kann der VW-Konzern seine Macht international weiter ausbauen und im Wettlauf um die Ablösung von Toyota als Weltmarktführer vorankommen. VW stärkt damit sein Vertriebsgeschäft in bedeutenden Märkten und Regionen erheblich.
Die Holding gilt als erfolgreichstes privates Autohandelsunternehmen in Europa mit einer starken Präsenz vor allem in Österreich, West- und Südosteuropa sowie in China. Im Geschäftsjahr 2009/10 (31. März) verkaufte sie mit rund 20.300 Mitarbeitern insgesamt 421.000 Neuwagen und setzte damit 12,2 Mrd. Euro um.
Den Verkaufserlös wollen die Familien in die geplante Kapitalerhöhung bei der Porsche-Automobilholding in Stuttgart stecken - also beim Sportwagenhersteller. Zudem soll die Verschuldung des Stuttgarter Sportwagenherstellers auf 1,5 Mrd. Euro gesenkt werden.
Raus aus den Schulden
Die Reduzierung des Schuldenbergs ist eine rechtliche Voraussetzung für die Verschmelzung der zwei Unternehmen. Noch drücken Schulden von 5 Mrd. Euro Porsche. Diese Summe hatten die Stattgarter für den Kauf von VW-Aktien aufgenommen. Nach Angaben der "FAZ" werden die Verbindlichkeiten im Juni und Dezember fällig. Als Pfand verfügen die Banken über die 51 Prozent der VW-Aktien, die Porsche gehören.
Der Stuttgarter Autobauer hatte 2008 versucht, mit riskanten Finanztransaktionen den deutlich größeren VW-Konzern zu schlucken. Dabei verspekulierte sich die Konzernspitze um Ex-Chef Wiedeking jedoch, Porsche drohte unter der Schuldenlast zusammenzubrechen. VW drehte den Spieß um, rettete Porsche und will sich nun seinerseits das Stuttgarter Unternehmen einverleiben.
Bei Porsche läuft der Autoverkauf derweil prächtig. Im verkürzten Geschäftsjahr vom 1. August bis 31. Dezember 2010 erhöhte der Luxuswagenhersteller seinen Absatz deutlich. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum stiegen die Verkäufe weltweit um 57 Prozent auf 40.446 Fahrzeuge, teilte das Unternehmen in Stuttgart mit. Vor allem die Sportlimousine Panamera und der Geländewagen Cayenne liefen gut.
Im Zuge der Eingliederung in den Volkswagen-Konzern stellt Porsche sein normalerweise von Anfang August bis Ende Juli laufendes Geschäftsjahr auf das Kalenderjahr um.








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